Evolution neu entschlüsselt
Entdeckt: Artbildung hinterlässt keine DNA-Spur
Eine aktuelle Studie, geleitet durch das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), stellt das bisherige Konzept der Artenentstehung infrage. Die klassische Lehrmeinung wurde durch Charles Darwin begründet. Sie geht von einem verzweigten Stammbaum aus. Dabei spaltet sich eine Art über lange Zeiträume auf, wodurch genetische Unterschiede entstehen. Diese machen die Verwandtschaftsverhältnisse sichtbar.
Forschende untersuchten 19 Arten von Hamletbarschen – farbenprächtige Rifffische aus der Karibik. Obwohl sich die Tiere optisch deutlich voneinander unterscheiden lassen und sich bevorzugt innerhalb ihrer Art paaren, zeigt ihre DNA ein ganz anderes Bild. Selbst bei der Sequenzierung der vollständigen Genome von 335 Fischen konnten die Forschenden keinen klassischen Stammbaum rekonstruieren. Die genetischen Unterschiede zwischen den Arten sind extrem gering. Lediglich ein einziges Gen, das vermutlich für die Wahrnehmung von Farbmustern bei der Partnerwahl wichtig ist, konnte mit den Artunterschieden in Verbindung gebracht werden.
Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Artbildung nicht immer deutliche genetische Spuren hinterlässt. Statt langer, komplexer Trennungsprozesse können sich neue Arten also auch sehr schnell durch Veränderungen in nur wenigen Genen herausbilden. Diese Erkenntnis fordert dazu auf, unser Verständnis von bisherigen Theorien über die Evolution und die Entstehung der Arten grundlegend zu überdenken.


































