Inselfund im Eis

Forscher stoßen in Antarktis auf unbekannte Insel

Seit Februar erforscht ein internationales 93-köpfiges Expeditionsteam das nordwestliche Weddellmeer in der Antarktis. Aufgrund von besonders rauen Wetterbedingungen mussten die Wissenschaftler ihre Arbeit zeitweise unterbrechen. Mit dem Eisbrecher „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts suchten sie Schutz in der Nähe von Joinville Island. Auf dem Weg dorthin stießen sie auf eine bisher unkartierte Insel.

Die Landmasse ist etwa 130 Meter lang, 50 Meter breit und ragt rund 16 Meter in die Höhe. Auf Seekarten war dieser Bereich bisher nur als vage Gefahrenzone verzeichnet. Dass die Insel erst jetzt entdeckt wurde, hängt mit den klimatischen Veränderungen in der Region zusammen. So geht die sommerliche Eisabdeckung im nordwestlichen Weddellmeer seit 2017 stark zurück. Als treibende Kraft gelten die steigenden Temperaturen des Oberflächenwassers. Die Felsformation wurde durch das Abschmelzen des Eises freigelegt.
Die Forscher dokumentierten während ihrer Reise auch, dass das Meereis unerwartet stark zurückgeht. So wurden direkt unter dem Eis größere Mengen süßes Schmelzwasser nachgewiesen. Diese Süßwasserlinsen halten die ozeanische Wärme vom Meereis fern und beeinflussen die biologische Besiedelung im und unter dem Eis. Generell verändern steigende Temperaturen und der Rückzug des Eises das Artenspektrum in antarktischen Küstenbereichen deutlich.

Neue eisfreie Flächen unter Wasser werden rasch von Algen und marinen Tieren wie Seescheiden, Schwämmen oder Schnecken besiedelt. Dieses verstärkte Algenwachstum und die veränderten Lebensgemeinschaften beeinflussen den Umsatz von organischem Kohlenstoff erheblich – bestimmen also mit wie viel organischer Kohlenstoff gebunden, umgewandelt oder freigesetzt wird.

Die freigelegte Insel liefert aber nicht nur sichtbare Beweise für den fortschreitenden Rückgang des Meereises. Sie hilft auch dabei, die Schifffahrt in der Region sicherer zu machen. So sollen die gewonnenen Messdaten nach Ende der Expedition ausgewertet werden, um die Seekarten der Region zu aktualisieren. Entdeckungen wie diese sind für die Schifffahrt und die Erstellung moderner Meeresbodenkarten von großer Bedeutung, da herkömmliche Satellitendaten und Berechnungen kleinere Objekte oft fehlerhaft darstellen oder ganz ausblenden.

Quelle

Weitere Themen