Den Kreislauf der Armut brechen

Studie zeigt: Vereinbarkeit ist weltweit relevant

Lange wurde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als „Luxusproblem“ wohlhabender Gesellschaften betrachtet. Eine neue umfassende Studie der Universität Bremen zeigt nun jedoch das Gegenteil. Sie macht deutlich, dass es weltweit Vereinbarungskonflikte gibt und Familien aus einkommensschwachen Regionen davon besonders stark betroffen sind. Die Auswirkungen können sogar existenziell sein. Das Problem: In vielen der betroffenen Länder gibt es kein soziales Netz, das die Mütter absichert. Dadurch stehen sie unter großem Druck, müssen in ungeregelten, harten Jobs arbeiten. Das führt zu dauerhafter Unsicherheit und extremer Zeitnot. Die Notwendigkeit, die Existenz der Familie zu sichern, kann dort Gesundheit und Entwicklungschancen der Kinder beeinflussen.

Die Studie zeigt: Vereinbarkeitskonflikte in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen können Armut verstärken und verfestigen. Gängige Statistiken erfassen das Problem bisher kaum. Der Grund: Bisherige familienpolitische Modelle basieren auf westlichen Standards und beziehen Konstrukte wie eine geregelte Elternzeit ein. In einkommensschwachen Staaten greifen diese Ansätze jedoch nicht, da ein Großteil der Bevölkerung informell arbeitet. Mutterschutz und vertragliche Vereinbarungen sind in diesen Jobs eine Seltenheit. Die neuen Erkenntnisse machen diese verdeckten, armutsgetriebenen Spannungsfelder erstmals sichtbar.

Die Bremer Wissenschaftler liefern mit ihrer Forschung das dringend benötigte Fundament, um passgenaue familienpolitische Maßnahmen für einkommensschwache Staaten zu entwickeln. Nur wenn die unsichtbare Überlastung der Mütter verstanden wird, können internationale Hilfen und politische Programme zielgenau ansetzen: An der Schnittstelle von Arbeit und Kinderbetreuung. Dadurch lässt sich die Weitergabe von Armut über Generationen hinweg stoppen.

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