Walgesang als Spur
Grönlandwale: Gesang zeigt erstmals Paarungsplätze
Dass Wale durch Gesänge kommunizieren, ist bekannt. Anhand dieser Lautmuster haben Forscher des Alfred‑Wegener‑Instituts (AWI) nun herausgefunden, wo sich Grönlandwale fortpflanzen. Bisher hatte man nur eine ungefähre Ahnung, wo die Paarungsgebiete liegen. Auch war nicht klar, wie stark sie Bereiche mit dichtem Packeis nutzen. Vor allem die Wal-Population rund um Spitzbergen warf viele Fragen auf. Mithilfe von Unterwasser-Mikrofonen und künstlicher Intelligenz haben die Forscher das Ruf- und Gesangsverhalten der Tiere untersucht und konnten so ein wichtiges Fortpflanzungsgebiet identifizieren.
Im offenen Wasser der östlichen Framstraße hörten die Wissenschaftler nur einfache Rufe. Das deutet darauf hin, dass es sich bei diesen Bereichen lediglich im Durchzugsgebiete handelt. In den eisbedeckten Regionen nordwestlich von Spitzbergen dagegen singen die Wale besonders vielfältige und strukturierte Lieder. Diese akustischen Muster gelten als typisches Merkmal eines Paarungs- oder Balzplatzes und sind ein starkes Indiz für ein Fortpflanzungsgebiet. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Zahl und Vielfalt der Gesänge im Winter zunimmt – also dann, wenn das Meereis zurückgeht. Das deutet darauf hin, dass die Gebiete nordwestlich von Spitzbergen für die Wale wichtige Paarungsgebiete sind.
Mit Ihren Erkenntnissen liefern die AWI-Forscher ein neues, präziseres Puzzleteil für die Klärung, wo sich Grönlandwale fortpflanzen – nämlich verborgen unter dichtem arktischem Meereis. Sie zeigen, wie eng das Verhalten der Wale mit der Eisdecke verbunden ist. Das liefert wichtige Hinweise, die dabei helfen können, die Art zu schützen. Schutzmechanismen lassen sich besser planen und Risiken durch Schiffsverkehr oder Lärm können exakter eingeordnet werden. So trägt die Forschung dazu bei, die einzigartigen Bewohner der Arktis langfristig zu bewahren.


























